Ein Rückblick aus der Beraterperspektive — über einen Kulturwandel in der Hotellerie, das, was sich bewährt hat, und das, was wir heute anders gewichten würden.
Michael Franke · Geschäftsführer, IMPULSE
Über einen längeren Zeitraum begleiteten wir eine mittelständische Hotel-Gruppe in ihrem Kulturwandel-Prozess. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass eine erfolgreiche Unternehmensstrategie ohne gelebte Unternehmenskultur scheitert — und umgekehrt. Zentrale interne Treiber des Wandels waren der Vorstand, der Personalbereich und der gesamte obere Führungskreis der Unternehmensgruppe, unterstützt durch uns als externe Berater und Partner.
Die Hotellerie stand und steht noch heute im Spannungsfeld zwischen Digitalisierung, Individualisierung, Globalisierung und einer alternden Gesellschaft („Health & Silver Society"). Da Hotelausstattung zunehmend austauschbar wird, gilt damals wie heute: Motivierte, leidenschaftliche Mitarbeitende werden zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor — die Hotellerie bleibt im Kern ein „People Business".
Zentrale Bausteine des Wandels waren unter anderem:
Der Prozess folgte dem Phasenmodell „Unfreeze – Move – Refreeze" (Mobilisierung, Professionalisierung, Konsolidierung) und wurde um „Bottom-up"-Elemente erweitert, die den „Top-down"-Ansatz ergänzten.
| Kennzahl / Bereich | Ergebnis |
|---|---|
| Kununu-Score | Deutlich über dem Branchendurchschnitt (Oktober 2014 – März 2016) |
| Fluktuation & Krankenstand | Sinkend, deutlich unterhalb des bundesweiten Durchschnitts |
| Bewerbungen | Kontinuierlicher Anstieg 2014–2016 |
| 360°-Feedback | Verbesserung aller sechs Führungskompetenzen im Vergleich 2014 vs. 2015 |
| Top-Management-Befragung | 84 % sahen eine positive Entwicklung der Unternehmens- und Führungskultur (2016) |
| Größter Kultur-Hebel | Führungskräfteentwicklung, „My-Family-Pin" und Unternehmensstrategie (laut Umfrageergebnissen) |
Als wir uns zu Beginn zum ersten Mal mit dem Vorstand und dem obersten Führungskreis zusammensetzten, gab es kein Lehrbuch für das, was vor uns lag. Die Organisation war erschöpft von Besitzerwechseln und den stetig größer werdenden Herausforderungen des Marktes. Es dominierten individuelle „Überlebensstrategien" — jeder kämpfte in seinem eigenen Verantwortungsbereich, mit hohem Energieeinsatz, aber wenig gemeinsamer Wirkung. Aus Berater- und Partnerperspektive war das der typische Ausgangspunkt vieler Transformationen: viel individuelle Anstrengung, aber kein gemeinsames System.
Was diesen Fall von vielen anderen unterschied, war die Bereitschaft des Vorstands, in ein Vorhaben zu investieren, dessen Ergebnis sich nicht in eine klassische ROI-Rechnung pressen ließ. Das ist aus unserer Erfahrung der seltenste und zugleich wertvollste Rohstoff jeder Kulturarbeit: echtes Commitment von oben, ohne Erfolgsgarantie.
Im Rückblick lassen sich drei Muster erkennen, die den Unterschied gemacht haben:
Aus Beratersicht ist das die eigentliche Lektion: Kulturwandel gelingt nicht durch einen einzelnen „großen Wurf", sondern durch die Hartnäckigkeit, mit der unscheinbare Routinen — Klausuren, Foren, Feedbackrunden — über Jahre durchgehalten werden.
Mit dem Abstand der Jahre sehen wir auch die Stellen, an denen wir heute früher ansetzen würden:
Verdichtet auf das Wesentliche, sind das aus unserer Beratungserfahrung die übertragbaren Prinzipien:
„Kultur ist Ernte — aber eben auch ein intelligenter Dauerprozess, der wie der regelmäßige Gang ins Fitnessstudio für eine gesunde Zukunft sorgt."
Aus Beraterperspektive bleibt das der entscheidende Unterschied zwischen Unternehmen, die Kultur als Projekt abschließen, und solchen, die sie als dauerhafte Infrastruktur für ihren Erfolg begreifen. Der Wandel hört nie wirklich auf — und das ist kein Makel, sondern der Punkt.
Michael Franke · Geschäftsführer, IMPULSE