Perspektiven · Juni 2026

Motivation kann man nicht befehlen.

Man kann Menschen zu vielem bringen — aber nicht dazu, mit dem Herzen dabei zu sein. Echte Motivation lässt sich nicht anordnen. Sie entsteht, oder sie entsteht nicht. Die Frage ist, was Führung dafür tun kann.

Es gibt zwei Arten, Menschen in Bewegung zu bringen: durch Druck und durch Sog. Druck wirkt von außen — „ich muss". Er funktioniert, und manchmal muss er sein: Die Miete will bezahlt werden, Termine müssen gehalten werden. Sog wirkt von innen — „ich will". Und alles, worauf es bei anspruchsvoller Arbeit wirklich ankommt — Spitzenleistung, Kreativität, das Dranbleiben, wenn es schwierig wird — kommt aus dem Sog, nicht aus dem Druck.

Eigenmotivation entsteht ähnlich wie Verliebtsein: als innere Ankopplung an eine Aufgabe, ein Ziel, einen Sinn. Und wie beim Verlieben gilt: Man kann es fördern, aber nicht erzwingen. Eine Führungskraft ist hier weniger Antreiber als — im besten Sinne — Heiratsmakler. Sie kann die Begegnung arrangieren, die Aufgabe attraktiv machen, gute Bedingungen schaffen. Den Funken selbst entzünden kann sie nicht. Das klingt nach wenig. Es ist in Wahrheit sehr viel.

Eigenmotivation kann man fördern, aber nicht machen.

Sog ist kraftvoll — und zugleich zerbrechlich. Sein häufigster Killer ist das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren: wenn aus dem Spielmacher plötzlich ein Spielball wird. In dem Moment, in dem Menschen sich fremdbestimmt fühlen, fällt die Eigenmotivation oft schlagartig weg. Was bleibt, ist Druck.

Wer sich als Spielball fühlt, hört auf zu spielen.

Und Druck hat eine Grenze. Eine Weile steigert er die Leistung — aber jenseits eines bestimmten Punktes kippt sie. Menschen werden eng, ängstlich, fehleranfällig; sie fahren, um im Bild zu bleiben, starr geradeaus aus der Kurve. Wer dann noch mehr Druck gibt, bekommt nicht mehr Leistung, sondern weniger. Genau hier verschätzen sich viele Führungskräfte: Sie drehen an der einen Schraube, die gerade nicht mehr hilft.

Gute Führung arbeitet deshalb anders. Sie schneidet Aufgaben so zu, dass Sog überhaupt entstehen kann. Sie handelt Spielräume aus, statt sie zu nehmen. Sie fordert, wo kein Sog gelingt — und fördert, stützt und schützt, wenn der Druck zu groß wird. Sie achtet auf die leisen Signale, lange bevor die Motivation abstürzt, und pflegt ein Klima, in dem Durchhänger aufgefangen werden. Das ist anstrengender als Ansagen zu machen. Aber es ist der einzige Weg zu Leistung, die trägt.

Deshalb sprechen wir bei IMPULSE von Führung mit Sog statt Druck — und arbeiten genau daran mit Führungskräften und Teams. Denn motivierte Menschen sind kein Zufall und kein Charakterzug. Sie sind das Ergebnis kluger Führung.

Michael Franke · Gründer von IMPULSE, Dipl.-Psychologe und Transaktionsanalytiker

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